Meine Gnade ist alles, was du brauchst!
Mein Taufvers, den ich 1999 bei der Taufe in einem kalten Fluss (in der Sitter) bekommen habe, hat mich damals verwundert.
Aber er hat zu mir gesagt: »Meine Gnade ist alles, was du brauchst! Denn gerade wenn du schwach bist, wirkt meine Kraft ganz besonders an dir.« Darum will ich vor allem auf meine Schwachheit stolz sein. Dann nämlich erweist sich die Kraft von Christus an mir. 2. Korinther 12,9
Ich konnte nicht allzu viel damit anfangen. Es gibt in der Bibel so manche Verse, die erstmal über unseren Verstand gehen, weil sie paradox sind und mit weltlichem Denken nicht verständlich sind. Wofür soll Schwachheit gut sein? Meist schäme ich mich, wenn ich schwach bin. Ich will Schwächen gern verstecken. Wer kommt wirklich klar damit, Fehler zu machen? Ich habe da definitiv meine Probleme damit.
Was ist also gemeint mit diesem Vers? Mir fällt dazu eine Begebenheit in der Apostelgeschichte ein:
Die Mitglieder des Hohen Rats waren erstaunt, wie furchtlos und sicher Petrus und Johannes sprachen, denn sie konnten sehen, dass sie ganz einfache Männer ohne besondere Bildung waren. Außerdem wussten sie, dass diese Männer dem engsten Kreis um Jesus angehört hatten. Apostelgeschichte 4:13
Die gebildeten Leute aus dem Hohen Rat wunderten sich über die Apostel. Wie Petrus und Johannes redeten passte nicht zu ihrem Bild von ungebildeten Leuten. Sie wurden aufmerksam und staunten. Durch die Schwachheit der Apostel – in diesem Fall war die Schwäche die mangelnde Bildung – zeigt sich die Kraft Jesu besonders an ihnen.
Ich nehme an, dass sich damals ungebildete Leute keine Diskussionen mit dem Hohen Rat zutrauten. Doch Petrus und Johannes standen selbstsicher für ihren Glauben ein. Sie strahlten eine Autorität aus, die die Elite des Landes staunen liess. Und das führten diese zurück auf deren Zusammensein mit Jesus.

Wissen wir, dass unser Glauben an Gott oder besser gesagt, Gottes Bund mit uns einen Unterschied macht und sich auch zeigt in unserem aktuellen Leben hier auf der Erde? Da bin ich überzeugt davon!
Dieser Vers von Gottes Kraft in uns ist eine Einladung von ihm, unser ganzes Vertrauen in ihn zu setzen. Gott ist gut! Wir dürfen uns ganz verletzlich ihm anvertrauen, mitsamt allem, wo wir uns schwach fühlen und denken, wir seien nicht gut genug. Wenn wir uns in seine Hände begeben, dann gibt er seinen Teil dazu. Und der ist mehr als genug und sichtbar für andere.
Konkret denke ich, dass es gut und heilsam ist, mit allem, das mir Mühe macht zu Gott zu gehen. Ich spreche aus, wovor ich Angst habe. Wenn ich ehrlich vor Gott und mir selbst die Wahrheit ausspreche, dann kann Gott wirken. Gott wirkt da, wo ich ehrlich bin! Erst dann kann ich seine Perspektive der Dinge empfangen. Und diese Wahrheit ist so unglaublich heilsam!
Ausserdem wird mich eine Schwäche (hoffentlich) näher zu Gott bringen! Ich werde ihn bitten, dass er mir hilft. Er liebt es, wenn wir uns helfen lassen! Ich werde in einer engen Beziehung mit ihm bleiben. Damit kann Gott mich in seine vorbereiteten Werke hineinführen. Dann bin ich dort, wo ich am „effektivsten“ Gottes Herrlichkeit offenbare. Dort wirken seine Gnade und seine Kraft!
Ein wunderbarer Nebeneffekt davon ist, dass es meine Kraft und Nerven schont, wenn ich weiss, dass Gott durch mich wirkt und ich Dinge nicht allein stemmen muss! Ich kann viel gelassener sein, wenn ich mit seinem Wirken rechne.
Gott hat uns unsere Talente und Stärken gegeben und er möchte, dass wir sie einsetzen. Doch manchmal weiss ich, dass ich etwas kann und habe das Gefühl, ich „brauche“ Gott nicht dazu. In diesen Fällen muss ich darauf achten, dass ich nicht stolz werde und meinen eigenen Kopf durchsetze.
Das Fazit für mich? Ich glaube, es geht in diesem Vers vor allem um unsere Herzenshaltung und unser Vertrauen in ihn! Gott hat grosse Freude, wenn wir ihm vertrauen. Es spielt keine Rolle, wenn wir schwach sind – wir haben einen Gott mit grosser Kraft, der in uns wirkt. Gottes Gnade reicht! Wir können uns zur Verfügung stellen und er wird wirken. Das zu wissen, macht das Leben gelassener und freudvoller, oder nicht?

